In der Ausgabe 10/2007 des Bike-Magazins befand sich ein Artikel, der beschreibt wie schön das Biken rund um Neustadt a.d.W. ist und es wurden gleich zwei Touren beschrieben. Da ich in Karlsruhe lebe, ist Neustadt lediglich ein halbe Autostunde entfernt. Ich kenne Neustadt und die Tour auf den Weinbiet vom Sigma-Sport MTB-Marathon, den ich im August 2007 mitgefahren bin. Also habe ich mir die Tour auf die Kalmit ausgesucht und wollte mich gleich dran machen die Tourbeschreibung zu kopieren. Damit fangen dann die Schwierigkeiten an:
Ich habe erst im Februar 2007 mit dem Mountainbiken begonnen und kenne das Bike-Magazin erst seit der April-Ausgabe – bin also noch blutiger Anfänger. So legte ich also das Magazin aufgeschlagen auf den Kopierer, um die Tourbeschreibung zu kopieren - Das Ergebnis jede zweite Zeile Schwarz. Ja – klar – Copyright und so … Daher auch die geniale Idee die Beschreibung schwarz auf dunkelgraugrünen Hintergrund zu drucken. Also versuchte ich das Magazin aufgeschlagen an meinem Lenker zu befestigen – sah irgendwie komisch aus. Da ich auch Hobbyfotograf bin, verfüge ich über einen einigermaßen brauchbaren Scanner. Also legte ich das Magazin auf den Scanner, scannte die Seite mit 800dpi ein und erhöhte den Kontrast mit einer semiprofessionellen Bildbearbeitungssoftware. Und siehe da – aus dem Drucker kam eine brauchbare Tourenbeschreibung – dachte ich.
Also kam ich zu dem Schluss: Jeder, der Bike ließt und die Touren fahren möchte, sollte über einen ordentlichen Scanner und eine semiprofessionelle Bildbearbeitungssoftware verfügen. Vielleicht gab’s das mal als Willkommensgeschenk für Abonnenten oder so? Die Kopie ließ sich auch einfach mittels zweier Wäscheklammern am Lenker befestigen und sah dabei noch einigermaßen gut aus. Aber was ist das – die Lesbarkeit ließ bei normaler Sitzhaltung sehr zu wünschen übrig. Auch bei näherer Betrachtung wurde es schwierig. Na Ja – mit 45 ist man nicht mehr der jüngste und die Tourenbeschreibung mit der Schriftgröße von 1,5mm ist wahrscheinlich für Mitzwanziger mit 120% Sehstärke gedacht. Also packe ich kurzer Hand noch meine Lesebrille ins Gepäck.
Prima - los geht’s. Das Bike aufs Auto montiert und ab nach Neustadt.
Der Tourbeginn – Hauberanlage – Hauberanlage findet mein Navi im Auto nicht, weder als Straße noch als Platz noch als Sonderziel. Mal schauen, ob es was Ähnliches gibt – ah Hauberallee. Hoffentlich ist die Hauberanlage in der Nähe oder vielleicht steht da ein Schild wie ich zur Hauberanlage komme. Wenn alles schief geht, kann man ja fragen. Die meisten werden zwar pfälzisch reden, aber wenn man sich anstrengt, versteht man’s schon. Nach 40 Minuten Fahrzeit führt mich mein Navi zur Hauberallee. Ich habe mich zwar trotzdem verfahren, aber das waren Kommunikationsschwierigkeiten zwischen dem Navi und mir. In der Hauberallee angekommen, suche ich nach der Hauberanlage – Fehlanzeige, ich suche nach einem Schild – Fehlanzeige, also jemand fragen. Ich frage zwei Passanten, die Antwort in pfälzisch – also Einheimische: “Haubero’laach – nie g’hert – hier isch d’Hauberallee“.
Nach einigem Grübeln hole ich die Lesebrille und werfe einen verzweifelten Blick in die Tourenbeschreibung. „Brunnen an der Hauberanlage.“ Da vorn plätschert was – sieht aus wie ein Brunnen. Das muss es sein … sonst fahr ich wieder heim. Unter der Annahme, dass dieser Brunnen gemeint ist, folge ich der H a u b e r a l l e e da steht’s ja doch in der Tourenbeschreibung – im Kleingedruckten. Ich bin richtig und radle los.
Nach 0,39km links ab – oh je was denn nu – mein Tacho streikt. Der steht immer noch auf Null und auf der Anzeige steht „Zu viele Signale“. Na klar der wird ja hier gebaut und so wird jeder hier einen Funktacho dieser Marke haben und alle stören sich gegenseitig und mich auch.
Also 0,39km das kann ich noch schätzen, und tatsächlich wie in der Beschreibung geht links eine Treppe in den Wald auf einen Waldlehrpfad. Jippie – der Singletrail beginnt. Bikerherz was willst du mehr? Nach einiger Zeit funktioniert auch der Tacho wieder – leider stimmt die Kilometerangabe jetzt nicht mehr mit der Tourenbeschreibung überein. Also schätzen.
Der Weg führt mal links mal rechts dem Bach entlang und man fährt über etliche kleine Brücken und Stege – herrlich. Der nächste Punkt ist erreicht – Kaltenbrunner Hütte – weiter geht’s. Nach einer Weile kommt eine Wegabzweigung. Anhalten, Rucksack runter, Lesebrille aufsetzen, Blick auf die Tourenbeschreibung – Moment – gleich - ah ja jetzt – links, Lesebrille runter, Rucksack auf, weiter.
Das geht so 3,4,5 mal. Immer wieder dasselbe Ritual und dann die vier Sinnfragen:
Woher komm ich? Wo bin ich überhaupt? Wohin will ich? Und warum kann man mit der Lesebrille zwar einwandfrei die Tourenbeschreibung lesen aber so miserabel Bike fahren? Also wieder anhalten Lesebrille im Rucksack verstauen und weiter geht’s.
Dann kommt Parkplatz Totenkopf. Laut Tourenbeschreibung „Ende Parkplatz Totenkopf – Gerade auf Pfad Nr. 1“. So ein Parkplatz hat nicht nur ein Ende, vor allem wenn es mehrere Parkplätze gibt. Am Ende des Parkplatzes kommt die Totenkopfstraße – ist das Pfad Nr.1? Ah- da vis-a-vis ein Schild „Kalmit“ – da steht aber Pfad „2, 3, 5“ – aber da ist noch ein Parkplatz. Also den gesamten Parkplatz abgefahren. Die Leute schauen schon: “Sucht der sich ein Auto aus?“ Aber da – nee da – ja, im letzten Eck ein Schild „1“ – Ich bereue keine Stunde mehr, die ich bei den Pfadfindern verbracht habe. Also weiter geht’s. Nach einiger Zeit komme ich an eine Weggabelung. Recht oder links? Rechts ist eine ziemliche Waldautobahn- links ein Singletrail. Wie ich den Autor der Tourenbeschreibung einschätze entscheide ich mich, ohne auf die Tourenbeschreibung zu schauen, für links und komme auch wieder an einer Straße mit Parkplatz vorbei. Ich frage einen Autofahrer, der gerade in seinen Wagen steigen will, ob dies der Weg zur Kalmit sei.
Der meint: „Ja- immer nur der Straße nach.“
Ich frage nochmals nach: “Nein, der Wanderweg, der hier hoch geht?“
Der Autofahrer meint: “Ja - der auch - warum?“
Ich bedanke mich und nehme natürlich den Wanderweg. Nach einiger Zeit und einem halben Liter Schweiß schaue ich nicht mehr auf die Wurzeln und Steine und versuche auch nicht mehr den günstigsten Pfad zu lesen, sondern trete nur in die Pedale, um irgendwie da hoch zu kommen. Hätte ich vielleicht doch die Straße …? Doch was ist denn nun? Ein Schild „Steinernes Meer“. Sollte das steinerne Meer laut Artikel nicht über der Wolfsburg sein? Mir wird klar: Die Pfälzer waren schon immer ein kleines diebisches Bergvolk. Die haben das Steinerne Meer dort abgebaut und hier an der Kalmit wieder aufgebaut. Das schau ich mir an – also weiter. Fast dort angekommen, kommt mir ein Biker entgegen. Ich denke, der sucht bestimmt die Wolfsburg – hihi. Weiter oben treffe ich zwei weitere Biker, die gerade den Ausblick von einer Hütte über das Rheintal genießen. Ich rufe ihnen zu: „Die Wolfsburg ist auf der anderen Seite!“ Die schauen mich ungläubig an – Ha, auch auf den Bike-Artikel reingefallen. Dann wird’s schwierig im Steinernen Meer und zu guter Letzt schiebe und trage ich mein Bike bis ich wieder fahrbaren Boden unter den Füßen verspüre. Den letzten Rest zur Kalmit - Hütte ist dann wieder Routine. Dort angekommen setze ich mich erst mal, sortiere alles und hole mir eine Apfelschorle -Aaah. Dann erst mal die Lesebrille auf und die Tourenbeschreibung studiert. Bin ich überall richtig abgebogen? Bin ich da wo ich hin will? Und warum schauen die mich alle so an? Noch nie einen verschwitzten Mountainbiker mit Lesebrille gesehen oder was? Nach einer gewissen Zeit drängt sich die Frage auf: „Wie komme ich hier wieder weg?“ Es stehen hier einige Schilder, Sankt Martin, Edenkoben - und Neustadt. Wanderweg mit rotem Punkt. Immer dem roten Punkt folgen. Der beginnt aber mit einer Treppe. Also Tourenbeschreibung raus: „An der Hütte links – Fahrweg bergab – Gedenktafel.“ Links, wenn ich vor der Hütte stehe oder wenn ich hinter der Hütte stehe – also fahr ich erst mal zum Parkplatz und such die Gedenktafel. So ein Parkplatz ist groß und die Gedenktafel kann sich ja in jedem Eck verstecken. Fehlanzeige. Nach 10 Minuten hin und her erinnere ich mich an meine pfadfinderischen Fähigkeiten. Der Wanderweg mit dem roten Punkt muss ja, wenn er nach Neustadt führt, irgendwann den asphaltierten Weg kreuzen. Also die Strasse runter und rechts und links nach einem Weg mit einem roten Punk gesucht. Und – ihr glaubt es kaum – Volltreffer. Also hier abgebogen – Ein super Trail, mal versandeter Straßen- bzw. Bachlauf – aufpassen! - mal Wanderweg verblockt mit Wurzel und manchmal unterbrochen mit Treppenstufen zwei drei Stufen, über die man herrlich springen kann. Laufen lassen, einfach laufen lassen. Ab hier war mir egal was die Tourenbeschreibung mit ihren kleinen kaum lesbaren Zeichen auf komischem Hintergrund von sich gibt, ob ich richtig oder falsch bin. Das hier ist richtig, denn das ist purer Spaß für den sich die Strapazen allemal gelohnt haben. Leider dauert der Spaß nur etwa 25Minuten. In Neustadt angekommen, nochmals kurz nach dem Weg zur Hauberallee gefragt – da unten links, dann die Straße hinter- und schon war ich wieder am Ausgangspunkt. Noch eine Viertelstunde gewartet, bis sich wieder genug Blut im Adrenalin angereichert hat und dann wieder glücklich und zufrieden nach Hause gefahren.
Für alle, die es etwas einfacher haben wollen, habe ich mein Bike-Navi mitgenommen und den Track aufgezeichnet. Er steht unter http://www.spass-radler.de/ zum Herunterladen bereit. Außerdem habe ich noch ein paar Bilder von unterwegs geschossen – wen’s interessiert.
Wäre für die Bike-Redaktion auch eine Idee: Wenn ihr die Touren schon gefahren seid, die Daten einfach in eurem Internetportal zum Download bereit zu stellen.
Aber – wie gesagt, ich bin ja noch Anfänger und die zukünftigen Touren werden mit Sicherheit leichter zu durchschauen sein - oder?